RadianceML und CHML
Erweiterbare geometrische Modelle in XML
RadianceML steht für Radiance Markup Language, ist eine XML-Anwendung und der Versuch, die Modellbeschreibung des Lichtsimulationssystems Radiance in einer Auszeichnungssprache zu formulieren. Zur Zeit sind xslt-Stylesheets für die Umsetzung einer Untermenge von Elementen der Beschreibungssprache von Radiance verfügbar. Der aktuelle Stand der Entwicklung ist auf der Projektseite bei Sourceforge einzusehen.
Ein grundlegendes Problem bei der Entwicklung von CHML liegt in der Bereitstellung von Schnittstellen zwischen geometrischen Daten bzw. den sie erzeugenden Anwendungen und einem erweiterbaren Format, das zusätzliche Informationen mit diesem geometrischen Modell verknüpfen kann. Die Lichtsimulation hat genau diese Anforderungen. Zu den Modelldaten, die in der Regel mit CAD und Modellingsoftware generiert werden, müssen spezifische Informationen wie z.B. zu Materialien und Lichtquellen hinzugefügt werden. Das native Radiance-Format beschreibt ein solches Modell schon, ist aber an die Anwendung Lichtsimulation gebunden. Es lassen sich weder anwendungsfremde Informationen wie Beschreibungen oder andere, nicht optische Eigenschaften anhängen, noch ist der Export der Modelldaten vorgesehen. Es gibt eine Exportfunktion nach vrml, dabei wird jedoch nur der inzwischen kaum noch verwendete Standard vrml-1 geschrieben. Das andere unterstützte Exportformat ist mgf, ein Standard zur Beschreibung von Modellen zur Lichtsimulation, und damit auch wieder auf optische Beschreibungen beschränkt.
Die Möglichkeit, das native Radiance-Format in xml darzustellen, bedeutet, daß sich die Modelldaten mit ihren physikalischen Eigenschaften um andere, für weitere Anwendungen interessante Daten ergänzen lassen. Da für Radiance eine große Anzahl von Übersetzungprogrammen zur Verfügung steht, kann das native Format auch nur als Zwischenschritt verwendet werden, um unterschiedliche Daten zu importieren, ohne daß die für die Lichtsimulation erforderlichen Informationen überhaupt erfaßt werden. Das Ergebnis ist aber ein in XML beschriebenes, dreidimensionales Flächenmodell, das sich um beliebige Informationen erweitern läßt. Besonders hilfreich ist dabei die Möglichkeit, in XML unterschiedliche Namensräume (namespaces) in einer Datei festzulegen, was die Kombination heterogener Informationen zuläßt. Trotzdem lassen sich dank der weit entwickelten Techniken zur Umwandlung von XML (xslt) sehr leicht die abgelegten Informationen extrahieren und in andere Formate, je nach Zielanwendung, umschreiben. So ist eine Übersetzung von RadianceML nach X3D, dem Standard für dreidimensionale Daten im Internet und Nachfolger von vrml, nur durch Verwendung von xslt-Stylesheets denkbar.
Vor allem aber ist die Formulierung von XML-Formaten für anwendungspezifische Daten ein wichtiger Schritt, um eine anwendungübergreifende Beschreibung geometrischer Informationen zu entwickeln, da sich die Bereitstellung von Schnittstellen zu den Anwendungen damit auf die Entwicklung der xslt-Stylesheets reduziert.
Einige weiterführende Informationen zum Thema:
- Radiance Website http://radsite.lbl.gov
- XML format for 3D geometry, ein Artikel von Jean-Marc Vanel aus dem Jahr 2000: http://wwbota.free.fr/3Dgeometry.htm
- Radiance-Online Community: http://www.radiance-online.org
- ProSTEP: http://www.prostep.org/de
