Aufgabenstellung

Freie Diplomarbeit Rheingau

Thema und Motivation

Der Rheingau hat durch seine geografische Situation eine lange Tradition der engen Verzahnung von Landschaft und städtischen Strukturen. In der aktuellen politischen Diskussion um die zukünftige Entwicklung des Rheingaus wird diese Beziehung von Stadt und Landschaft als Gegensatz diskutiert. Wir möchten aus der strukturellen Tradition des Rheingaus eine zeitgemäße Lösung für diesen scheinbaren Widerspruch entwickeln.

Durch die Affinität der Region zum Tourismus ist im Rheingau eine höhere Sensibilität gegenüber Eingriffen in die Landschaft als im übrigen Rhein-Main-Gebiet vorhanden, wo die Landschaft als „weicher“ Standortfaktor gerade erst entdeckt wird. Darum betrachten wir den Rheingau als geeigneten Ort für eine prototypische Regionalentwicklung.

Die Frage, wie Architektur sich in ihrem städtebaulichen Kontext verhält, hat jeden von uns seit den ersten Unterstufenarbeiten besonders interessiert. Das Wechselspiel zwischen Hochbau und Städtebau gewinnt mit den aktuellen Regionalplanungskonzepten eine neue, faszinierende Dimension hinzu. Sinnliches und kontextuelles Entwerfen rückt in den Bereich wirtschaftlicher Notwendigkeit. Diese neue Entwicklung im Städtebau erscheint uns von einer ungeheuren Aktualität. Sie trifft unsere Interessen und Leidenschaften im Kern.

Der Begriff Rheingau

Topografie: „Des Stromes Goldene Mitte“

Der Rheingau stellt eine Besonderheit am Flusslauf des Rheins dar. Der Fluss knickt zwischen Mainz und Wiesbaden für 35 Kilometer nach Westen ab, um dann bei Bingen und Rüdesheim wieder nach Norden zu fließen. Damit endet der Oberrheingraben und das Mittelrheintal beginnt als tiefer Einschnitt in das Rheingau-Taunus-Gebirge. Topografisch bildet der Rheingau das Nordufer dieses Flussabschnittes bis zum Höhenzug des Gebirges, wobei er von Osten nach Westen schmaler und die Hangneigung steiler wird. Die Hänge sind nach Süden ausgerichtet, was den Rheingau seit jeher für den Weinbau attraktiv macht.

Geschichte: Das „Gebück“

Der historische Rheingau, 772 erstmals erwähnt, wurde klar begrenzt durch eine mittelalterliche Landwehr, das sog. Gebück. Es begann im Nordosten bei Lorch im Mittelrheintal und endete im Westen bei Walluf. Im Verlauf des Gebücks sind heute noch mehrere Burgen und Torbauten der ansonsten als dichte Dornenhecke ausgeführten Grenze vorhanden. Dieses von Gebück und Rheinufer definierte Gebiet, das auch die vier Städte Lorch, Rüdesheim, Geisenheim und Eltville einschloss, hatte eine im Heiligen Römischen Reich einmalige Verfasstheit: es war ein einziger Gerichtsbezirk, der nicht in Stadt- und Landrecht unterteilte. Heute befinden sich hier die sieben Orte, die als der „klassische Rheingau“ bezeichnet werden: Lorch, Rüdesheim, Geisenheim, Oestrich-Winkel, Kiedrich, Eltville und Walluf (von Osten nach Westen).

Wein: Die „Marke“ Rheingau

Die Weinlage Rheingau erstreckt sich von der „Rotweininsel“ Assmannshausen im Westen bis zum Lohrberg in Frankfurt am Main im Osten. Die „Marke“ Rheingau ist – bedingt durch die Südhanglage und die Böden – ein Begriff für Rieslingweine höchster Qualität. Der Eiswein wurde im Rheingau erfunden, die Legende vom „Spätlesereiter“ ist allen Weinkennern ein Begriff.

Tourismus: Das „Image“

Der engste Begriff des Rheingaus ist der vom Massentourismus geprägte, der sich auf Drosselgasse, Sessellift und Germania reduziert.

Zur aktuellen Situation im Rheingau

Durch Weinbau und Tourismus hat die Landschaft des Rheingaus eine hervorgehobene wirtschaftliche Bedeutung. Die im Westen des Rheingaus gelegenen Gemeinden Lorch und Rüdesheim leben fast ausschließlich von diesen Wirtschaftszweigen und damit im Grunde von der Schönheit der Landschaft und dem Ruf einer weitgehend „intakten” Natur. Dort setzt man aus diesem Grund große Hoffnungen auf die Ernennung des Mittelrheintals zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Überwiegend im Osten des Rheingaus besitzen Gemeinden ein zweites Standbein in Gewerbe und Industrie. So finden sich nördlich der Orte Eltville und Walluf große Industriegebiete. Diese beiden Orte profitieren wirtschaftlich von ihrer Nähe zum Ballungsraum Rhein-Main und dem Anschluss der an dieser Stelle autobahnähnlich ausgebauten B 42 an die A 66.

Vor dem Hintergrund der scheinbaren Unvereinbarkeit von Gewerbeansiedlung und Tourismus ist eine lebhafte Diskussion darüber ausgebrochen, inwieweit Gewerbebau und Infrastrukturmaßnahmen das Erscheinungsbild des Rheingaus beeinträchtigen dürfen. Ein Themenschwerpunkt ist der – von Landrat und IHK beführwortete – Neubau einer Straßenbrücke über den Rhein zwischen Bingen und Rüdesheim, die einen nicht unerheblichen Anstieg des Verkehrsaufkommens im Rheingau zur Folge haben könnte, sowie die Planungen für eine Höhenstraße entlang der Berghänge des Rheingaus zur Entlastung der Uferstraße B 42.

Projekte im Gewerbe- und Wohnungsbau – insbesondere der Bau von großen Gewerbegebäuden wie Lager- und Abfüllhallen für Wein – werden öffentlich als Raubbau an der Landschaft gerügt. Auch das architektonische Erbe erscheint bedroht: Unseriöse Investitionsvorhaben haben an zwei prominenten Rheingauer Orten, dem Lorcher Hilchenhaus und der Hallgartener Zange, Hotel-Bauruinen hinterlassen.

Generell wird vielerorts befürchtet, dass das Erscheinungsbild des Rheingaus einen nicht mehr reparablen Schaden nehmen könnte bzw. bereits genommen hat. Der wachsende Unmut unter Teilen der Rheingauer Bürger hat bereits zur Gründung mehrerer Bürgerinitiativen geführt, u. a. der Initiative „Aus Liebe zum Rheingau” und „Rettet das Hilchenhaus”.

Im Rheingau werden Stimmen laut , die ein übergreifendes Entwicklungsleitbild fordern bis hin zur Entwicklung eines eigenen Regionalparkkonzepts. Genau hier wollen wir ansetzen.

Aufgabe

In unserer Diplomarbeit soll untersucht werden, welche Möglichkeiten sich aus der Betrachtung des Rheingaus als regionale Einheit von Stadt und Landschaft zur Lösung seiner Probleme im Spannungsfeld von Weinbau, Tourismus, Gewerbeentwicklung, Bevölkerungswachstum und der Verkehrsentwicklung ergeben.

Wir möchten diese Arbeit als Beitrag zur aktuellen politischen Debatte über ein Leitbild für den Rheingau verstanden wissen. Hierzu möchten wir Vorschläge entwickeln, wie eine solche „Corporate Identity“ aussehen könnte und wie man diese Vorschläge angemessen in der Öffentlichkeit kommunizieren kann.

Wir möchten darstellen, welche Konsequenzen ein solches Leitbild auf die Planung auf regionaler und städtebaulicher Ebene hat.

Anhand beispielhafter Projekte wollen wir unsere Vorstellungen bildhaft darstellen.

Mögliche Entwurfsschwerpunkte

landschaftsbezogene Gestaltung der Uferstraße B42

Beispiel einer Tourismusroute mit Detaillierung

Leistungen

Analyse und Konzept, Pläne M. 1:100.000-1:25.000

Entwürfe beispielhafter Projekte, Pläne und Modelle M. 1:2.000-1:500/200 (projektabhängig)

Entwurf auf regionaler Ebene, Pläne M. 1:25.000-1:5.000

Entwicklung einer Kommunikationsstrategie

Zum Beleg der individuellen Leistung führt jeder Bearbeiter ein eigenes Skizzenbuch.nalyse und Konzept, Pläne M. 1:100.000-1:25.000